Philharmonie im · PDF file 2014-04-04 · Otto Dix Der Krieg Das Dresdner...

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    12. | 13. April 2014

    Philharmonie im Albertinum

    11. Konzert

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    Otto Dix Der Krieg Der Krieg Das Dresdner Triptychon Albertinum 5. April – 13. Juli 2014

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    »SYMPHONIEFEUER – SCHLAFLOSE NACHT« – Schumann zur 1. Sinfonie

    Michael Sanderling |Dirigent Sophia Jaffé | Violine

    FRANZ SCHUBERT (1797 – 1828)

    Sinfonie h-Moll D 759 »Unvollendete«

    Allegro moderato

    Andante con moto

    KARL AMADEUS HARTMANN (1905 – 1963)

    »Concerto funèbre« für Violine und

    Streichorchester

    Introduktion. Largo

    Adagio

    Allegro di molto

    Choral. Langsamer Marsch

    P A U S E

    ROBERT SCHUMANN (1810 – 1856)

    Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 »Frühlingssinfonie«

    Andante un poco maestoso – Allegro molto

    vivace

    Larghetto – attaca:

    Scherzo. Molto Vivace

    Allegro animato e grazioso

    A P R I L 2014

    12 SAMSTAG

    19.30 Philharmonie im Albertinum Lichthof

    11. Konzert

    13 SONNTAG

    19.30

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    »Er ist noch kaum eingetreten ...« Franz Schuberts »Unvollendete«

    Im Februar 1818 riss die Serie der »Jugendsinfonien« Franz Schuberts jäh ab: mit der Komposition der Sechsten, die er in einem letzten Akt der Unbefangenheit noch als »Große Sinfonie in C« bezeichnete. Danach geriet Schubert – wie zeitgleich auch bei seiner Auseinandersetzung mit dem Streichquartett und der Klaviersonate – in eine tiefe Schaffenskrise. Acht Jahre mussten ins Land gehen, ehe es ihm gelang, mit seiner nun wahrhaft »Großen Sinfonie« in C-Dur D 944 wieder ein Werk dieser ebenso anspruchsvollen wie repräsentativen Gattung zu einem Ende zu bringen. In der Zwischenzeit schrieb er vier unvollendete Sinfonien, von denen eine allerdings gleichwohl (oder vielleicht auch gerade wegen ihres Torso-Charakters?) seine berühmteste geworden ist. Schon im Mai 1818, also nur wenige Wochen nach der Sechsten, skizzierte Schubert zwei Sätze einer D-Dur-Sinfonie, ein »Allegro

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    moderato« mit einer harmonisch außergewöhnlich kühnen »Adagio«- Introduktion und einem Satz im 2/4-Takt ohne Tempoangabe. Er brach dieses kompositorische Vorhaben bald ab, nahm aber im Frühsommer 1821 erneut eine D-Dur-Sinfonie in Angriff, für die er schon sämtliche Sätze weitgehend entworfen hatte, als er auch dieses Projekt wieder aufgab, um noch im August desselben Jahres mit der Komposition einer Sinfonie in E-Dur zu beginnen. Schubert hatte alle vier Sätze dieser Sinfonie restlos skizziert und die ersten 110 Takte des Kopfsatzes überdies auch schon instrumentiert (für die größte Orchesterbesetzung unter allen seinen Sinfonien) – aber dann resignierte er doch wieder angesichts der offenbar noch übermächtigen Herausforderung. Über seine Beweggründe ließe sich endlos spekulieren. Wahrscheinlich war es der Entwurf zum Schlusssatz, der seinen gewachsenen Ansprüchen nicht genügen konnte, und man darf vermuten, dass auch seine nächste, die h-Moll-Sinfonie D 759, unvollendet blieb, weil Schubert vergeblich nach einer Idee, einer Konzeption für das Finale suchte: für

    ein Finale wohlgemerkt, das den ersten beiden, in jeder Hinsicht des Wortes vollendeten Sätzen angemessen wäre. Nicht einmal Skizzen zu einem vierten und letzten Satz der h-Moll-Sinfonie haben sich erhalten: Sind sie verloren gegangen – oder hat Schubert gar nicht erst den Versuch unternommen, eine Finallösung zu umreißen? Oder handel- te es sich am Ende doch, wie eine in der Schubert-Forschung höchst umstrittene Theorie behauptet, bei der ersten Zwischenaktmusik in h-Moll aus »Rosamunde« D 797 ursprünglich um den Schlusssatz der Sinfonie gleicher Tonart? An einem Scherzo mit Trio hat Schubert jeden- falls noch gearbeitet, dann verliert sich die Spur. Was gewiss bleibt, sind jene zwei Sätze, das »Allegro moderato« und das »Andante con moto«, die zu den großen, unfassbaren und unauslotbaren Kunst-Schöpfungen der europäischen Musikgeschichte zählen. Und die hätte einen anderen Verlauf genommen, wäre Schuberts 1822 komponierte h-Moll-Sinfonie, die »Unvollendete«, noch zu Lebzeiten eines Robert Schumann oder eines Felix Mendelssohn entdeckt und

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    uraufgeführt worden – und nicht erst im Jahr 1865: eine Tatsache, die man noch heute mit ungläu- bigem Staunen registriert. Die autographe Partitur befand sich jahrzehntelang im exklusiven und konsequent geheimgehaltenen Besitz der mit Schubert befreun- deten Brüder Josef und Anselm Hüttenbrenner, ehe 1860 der Wiener Dirigent Johann Herbeck von der Existenz des unschätzbar kostbaren Manuskripts Kenntnis erhielt und mit diplomatischem Verhandlungsgeschick dessen Freigabe zu erwirken vermochte.

    Am 17. Dezember 1865 erklang im großen Redoutensaal der Wiener Hofburg zum ersten Mal Franz Schuberts »Unvollendete«: »Wir müssen uns mit den zwei Sätzen zufrieden geben, die, von Herbeck zu neuem Leben erweckt, auch neues Leben in unsere Concertsäle brachten«, schrieb Eduard Hanslick über jene denkwürdige Uraufführung. »Wenn nach den paar einleitenden Tacten Clarinette und Oboe einstimmig ih- ren süßen Gesang über dem ruhigen Gemurmel der Geigen anstimmen, da kennt auch jedes Kind den Componisten, und der halbunterdrückte Ausruf ›Schubert‹ summt flüsternd durch den Saal. Er ist noch kaum eingetreten, aber es ist, als kennte man ihn am Tritt, an seiner Art, die Thürklinke zu öffnen. Erklingt nun gar auf jenen sehnsüchtigen Moll- gesang das contrastierende G-Dur-Thema der Violoncelle, ein reizender Liedsatz von fast ländlerartiger Behaglichkeit, da jauchzt jede Brust, als stände Er nach langer Entfernung leibhaftig mitten unter uns.«

    Wolfgang Stähr

    FRANZ SCHUBERT

    geb. 31. Januar 1797, Wien gest. 19. November 1828, Wien

    Sinfonie h-Moll D 759 »Unvollendete«

    Entstehung: 1822 – 1823

    Uraufführung: 17. Dezember 1865 im Musikvereinssaal Wien unter Johann Herbeck

    Spieldauer: ca. 23 Minuten

    Orchesterbesetzung: 2 Flöten 2 Oboen 2 Klarinetten 2 Fagotte 2 Hörner 2 Trompeten 3 Posaunen Pauken Streicher

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    »...der Verpflichtung zur Humanität dürfte sich kein Künstler entziehen...« Das »Concerto funèbre« von Karl Amadeus Hartmann

    Am 20. Juli 1939 schrieb Karl Amadeus Hartmann an den Dirigenten Hermann Scherchen: »Jetzt beginne ich eine Trauermusik in einem Satz für Streichorchester zu schreiben.« Er hoffe, so weiter an den verehrten Mentor, ihm das Werk bei seinem nächsten Besuch in Winterthur kommenden Herbst zeigen zu können. 1940 erfuhr das Violinkonzert in St. Gallen (Schweiz) seine Uraufführung; dirigiert hatte Ernst Klug. Auffällig an der ersten schriftlichen Erwähnung vom »Concerto funèbre« ist das Datum: Hartmann schickte sich an, schon vor Ausbruch des II. Weltkrieges dessen katastrophales Ende zu betrauern. In der Tat war der damals 34-jährige Komponist ein den gesellschaftlichen Zuständen gegenüber höchst sensibler Zeitgenosse, der, so der

    Friedens- und Konfliktforscher Dieter Senghaas, über die Fähigkeit verfügte, »gewissermaßen mit seismografischer Antenne noch nicht offenkundige Entwicklungen wahrzunehmen.« Hartmann sah seit der nationalsozialistischen Machtübernahme klar den sich abzeichnenden Zivilisationsbruch vor sich. Über dem Gedanken, die Nazis könnten sich endgültig einrichten, reagierte er – statt wie noch in den 20er Jahren in der Orientierung an »Futurismus, Dada und Jazz« – nun zunehmend mit Werken im Trauergestus: 1933/34 mit dem 1. Streichquartett, 1934 mit dem Orchesterwerk »Miserae«, 1934/35 mit der Oper »Simplicius Simplicissimus« oder 1935/36 mit der Kantate »Lamento«, 1939 schließlich mit »Concerto funèbre« als gewissermaßen dem Höhepunkt dieser Reihe. Aber Hartmann klagte nicht nur in diesen Werken, er erhob auch Anklage und forderte Widerstand. »Dann kam das Jahr 1933, mit seinem Elend und seiner Hoffnungslosigkeit, mit ihm dasjenige, was sich folgerichtig aus der Idee der Gewaltherrschaft entwickeln

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    musste, das furchtbarste aller Verbrechen – der Krieg. / In diesem Jahr erkannte ich, dass es notwendig sei, ein Bekenntnis abzulegen, nicht aus Verzweiflung und Angst vor jener Macht, sondern als Gegen- aktion.« Und mit »Gegenaktion« meinte der von Gerechtigkeit und Menschen- würde geleitete Hartmann eine wie auch immer geartete »Zuver- sicht« am Ende des tiefen Tals: aus Hartmanns Sicht war der Beginn des Krieges gleichbedeutend mit dem Anfang vom Ende der Nazi- Herrschaft. An dieser Schnittstelle steht das »Concerto funèbre«. Es ist vielleicht kein Zufall, dass Hartmann gerade dieses Werk einem Nach- geborenen, »meinem lieben Sohn Richard« (geb. 1935), widmete. Der Widmung beigestellt ist eine kurze Werkbeschrei